Immanuel Kant
Immanuel Kant wurde am 22. April 1724 in Königsberg in Ostpreußen als Sohn eines Sattlers geboren. In einem frommen, pietistisch geprägten Elternhaus aufgewachsen, besuchte er das Collegium Fridericianum und studierte ab 1740 an der Universität Königsberg, wo ihn vor allem die Mathematik und die Newtonsche Physik anzogen. Nach dem Tod des Vaters verbrachte er einige Jahre als Hauslehrer auf Landgütern und kehrte 1755 als Privatdozent an die Universität zurück. Im selben Jahr erschien seine Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels, die die Entstehung des Sonnensystems aus einer rotierenden Materiewolke erklärte.
Fünfzehn Jahre lang las er über eine erstaunliche Vielfalt von Fächern – Logik, Metaphysik, Ethik, Physik, Mathematik, Geographie und Anthropologie – und wurde als glänzender und geistreicher Lehrer bekannt. 1770 erhielt er die Professur für Logik und Metaphysik. Es folgte ein „stilles Jahrzehnt“, in dem er fast nichts veröffentlichte, während er eine neue Grundlegung der Philosophie ausarbeitete. 1781 erschien sie: die Kritik der reinen Vernunft, die fragte, was die Vernunft ohne Erfahrung erkennen kann, und antwortete, dass der Verstand selbst der Welt, die er erkennt, ihre Form gibt.
Die großen Werke folgten nun rasch aufeinander: die Prolegomena (1783), die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785) mit ihrem kategorischen Imperativ, die Kritik der praktischen Vernunft (1788) und die Kritik der Urteilskraft (1790). Daneben schrieb er kurze Abhandlungen für ein breiteres Publikum, darunter die Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? und die Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht (beide 1784), später Zum ewigen Frieden (1795). Seine Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793) trug ihm unter Friedrich Wilhelm II. einen königlichen Verweis ein, und Kant versprach, zu Lebzeiten des Königs nicht mehr über Religion zu schreiben.
Kant hat sich nie weit von Königsberg entfernt, und die Regelmäßigkeit seiner Tage ist sprichwörtlich geworden. Er lehrte bis 1796 und starb am 12. Februar 1804 in seiner Vaterstadt. Seine letzten Worte sollen „Es ist gut“ gewesen sein. Er ist am Dom zu Königsberg begraben.
Wenige Philosophen haben den Gang des Denkens so tief verändert. Kants kritische Philosophie steht am Ursprung des deutschen Idealismus und der meisten späteren Erkenntnistheorien; seine Ethik der Autonomie und der Menschenwürde bleibt eine Grundlage des moralischen und rechtlichen Denkens; und seine Schriften über Aufklärung, Weltbürgerrecht und ewigen Frieden prägen bis heute die Debatten über Denkfreiheit, Menschenrechte und internationale Ordnung.